Vom Drohnenflug zum 3D-Modell der Stadt
Das Stadtmodell Schrobenhausen steht seit Kurzem auf dem Lenbachplatz: die Altstadt noch einmal, diesmal aus Bronze, rund 200 Kilogramm schwer und im Maßstab 1:350. Es hat seinen Platz an der Nordwestseite des Rathauses. Aufgestellt wurde es an einem Montag und blieb zunächst verhüllt. Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, wurde es bei einer Feierstunde während des Wochenmarkts der Öffentlichkeit vorgestellt.
Das Stadtmodell Schrobenhausen zeigt bewusst die Stadt von heute und keine historische Momentaufnahme. Das passt zur Landesgartenschau 2031, die Schrobenhausen ausrichten wird. Man sieht die Altstadt mit Stadtwall und der weitgehend erhaltenen Stadtmauer. Außerhalb liegt der Alte Friedhof, der als eigene Platte unten links angesetzt ist. Vorne stehen Titel, Maßstabsbalken, Nordpfeil, die Wappen von Stadt, Lions und Rotary und eine kleine Zeittafel, die 790 mit der ersten urkundlichen Erwähnung beginnt und 1991 mit der Eröffnung des Europäischen Spargelmuseums endet. Die Texte gibt es auch in Brailleschrift.
Stadtmodell Schrobenhausen: Vom Drohnenflug zum 3D-Modell
Das Bildmaterial lieferte Woife Stoiber von studioviersieben.com. Für die Befliegung teilte er die Stadt in sieben Teilbereiche auf. Jeden Bereich plante er vorab in der Flugplanungssoftware Dronelink und flog ihn mit der Drohne systematisch ab. An drei Flugtagen kamen so insgesamt 4.985 Luftbilder zusammen. Mit Agisoft Metashape rechnete er daraus ein photogrammetrisches 3D-Modell der Stadt. Die reine Rechenzeit lag bei über vier Tagen. Für die wichtigsten Gebäude kamen Detailfotos von der Straße aus hinzu. Sie zeigen Fassaden, Eingänge und weitere Einzelheiten, die aus der Luft kaum zu erkennen sind. Michael Leibl nutzte sie als zusätzliche Arbeitsgrundlage, außerdem dienen sie als Dokumentation für das Stadtarchiv.
Das 3D-Modell floss neben Vermessungsdaten und digitalen Geländemodellen in die Arbeit von Michael Leibl ein. Der Architekturmodellbauer ist Schreinermeister und leitete bis 2024 die Holz- und Modellbauwerkstatt der Fakultät für Architektur an der TU München. Für Schrobenhausen baute er Gebäude, Straßen, Plätze und Grünflächen in einer CAD-Software nach und war dafür mehrmals vor Ort. Den späteren Guss hatte er dabei von Anfang an im Blick, denn was am Bildschirm funktioniert, ist in Bronze oft zu fein. Leibl suchte die Balance zwischen Maßstab, Abstraktion und dem, was sich gießen lässt. Man sieht es an den Rundbögen der Stadttore, an den Dachformen der Stadtpfarrkirche und an der genauen Zahl und Anordnung der Fenster.
Bronzeguss in Straubing: vom Kunststoff zur Bronze
Zuerst druckte Voxeljet in Friedberg das digitale Modell als Kunststoffmodell. Das Unternehmen ist inzwischen mit ExOne in einer gemeinsamen Unternehmensgruppe zusammengeführt. Dann übernahm die Kunst- und Glockengießerei von Hannes Gugg in Straubing, ein Familienbetrieb, der seit 1550 besteht und zu den ältesten Gießereien dieser Art in Deutschland gehört. Das Modell wurde in Schamotte eingebettet und der Kunststoff ausgebrannt. In die entstandene Hohlform kam flüssige Bronze. Am Ende standen sechs Gussteile, die zusammengefügt und zum Schluss mit schwefelhaltigen Substanzen patiniert wurden. Das fertige Modell ist gut 1,50 Meter groß.
Den Guss der letzten Platte hat Woife Stoiber bei einem Besuch in der Gießerei gefilmt.
Stadtgeschichte zum Anfassen: Stadtmodell Schrobenhausen als Treffpunkt
Die Idee kam aus Aichach, wo seit 2020 ein Bronzemodell der Stadt im Zustand von 1914 vor der Spitalkirche steht. Michael Leibl, Voxeljet und die Gießerei Gugg waren auch an diesem Modell beteiligt. In Schrobenhausen griff der Lions Club Schrobenhausen-Aichach die Idee auf, der Rotary Club Schrobenhausen-Aichach und die Stadt Schrobenhausen zogen mit. Die Kosten von rund 65.000 Euro teilen sich die drei zu gleichen Teilen, dazu kamen Spenden von Verwaltung, Bauhof und Clubmitgliedern.
Über den Standort wurde länger diskutiert. Am Ende setzte sich der Platz vor dem Rathaus durch. Kulturamtsleiterin Claudia Freitag-Mair sieht ihn damit aufgewertet und das Stadtmodell Schrobenhausen als Ausgangspunkt für Stadtführungen. Auch bei der Einweihung wurde es ausdrücklich als Treffpunkt für Führungen hervorgehoben. Und wer vorbeikommt, kann die Gassen mit den Fingern abfahren.
Nach dem Willen der Beteiligten soll das Modell Kunst im öffentlichen Raum sein, Orientierung bieten und Informationen vermitteln. Es soll außerdem die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Heimatstadt stärken und den Lenbachplatz beleben.































